Orte der Erinnerung

Orte der Erinnerung

Der Zerfall kollektiver Erinnerungen geht seit dem 18. Jahrhundert mit Initiativen einher, sie für die Gesellschaft wachzuhalten. Dies geschieht einerseits durch die Errichtung von manifesten Erinnerungsorten  wie Denkmälern und Gedenktafeln. 

Nicht-manifeste Erinnerungsorte haben andererseits kein sichtbares Erinnerungszeichen, weisen jedoch auf einen historischen Bezug zu bestimmten Ereignissen hin. Es ist die Landschaft, die einmahnt. Es sind die Erinnerungen an kriegerische Auseinandersetzungen  wie der römische Limes oder das Grüne Band. Hier findet durch die Natur ein unsichtbarer Prozess der Versöhnung statt.

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Limes

Mit seinen knapp 550 Kilometern Länge ist der Limes das größte Bodendenkmal Mitteleuropas. Er zieht sich als Grenze Roms zu den Barbaren quer durch Deutschland und umfasst in Österreich die ca. 350 km lange Donau-Strecke zwischen Passau und Bratislava. 

Vier Legionslager, 16 Kastelle und zahlreiche Turmanlagen überwachten über mehrere Jahrhunderte den Grenzverkehr. Darüber hinaus entstanden im unmittelbaren Hinterland zivile Siedlungen. Dieses Grenzsystem ist in Österreich besonders mit seinen spätantiken Befestigungsbauten in zahlreichen Städten an der Donau noch eindrucksvoll erhalten.  

In erster Linie war der Limes nicht als undurchdringliches Bollwerk angelegt. Er sollte lediglich eine klare Grenze zwischen der zivilisierten, römischen Welt und den Gebieten außerhalb des römischen Einflussbereiches ziehen. Zudem sollten entlang des Limes der Personen- und Warenverkehr kontrolliert, Zölle erhoben und die landwirtschaftlich fruchtbaren Gebiete gesichert werden. 

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Römerturm Limes © spinheike

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Gründes Band: Maltsch bei Leopoldsschlag © Naturschutzbund Alexander Schneider

Grünes Band

Das Grüne Band Europa, das entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs entsteht, ist sowohl ein Natur-, als auch Kulturgut. In Österreich zieht es sich auf fast 1.300 km von Oberösterreich, Niederösterreich, Burgenland, Steiermark bis nach Kärnten. Es sind die Gegenden entlang des  ehemaligen Eisernen Vorhangs, die ihre weitgehend natürliche Landschaften behalten konnten und seit 1945 nicht anthropogen verändert wurden. 

Aus der Entstehungsgeschichte des Grünen Bandes heraus haben auch die „stummen Zeugen“ des Kalten Krieges eine hohe Relevanz. Nicht nur das Naturerbe, auch das zeitgeschichtliche Kulturerbe sind Schutz- und Entwicklungsgut von herausragender Bedeutung. 

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Kriegsschauplätze

Neben vielen anderen Funktionen ist der Wald auch Gedächtnis vergangener Zeiten. In vielen Wäldern sind neben Spuren längst vergangener Epochen – wie Bewirtschaftungsweisen, Baumartenmischungen, Durchforstungsformen und Nutzungsarten – auch Spuren vergangener Kriegsereignisse zu finden. Sie zeigen sich in der Umformung der Landschaft (Wälle, Verteidigungsanlagen), die seit dem Ereignis bis heute noch sichtbar sind. 

Die Landschaft nimmt einen zentralen Platz in der individuellen und kollektiven Kriegserinnerung ein. Dabei ist der Zusammenhang zwischen Landschaft und Kriegserinnerung komplex. 

Denn was bleibt von der „Kriegslandschaft“ nach dem Konflikt? Auf welche besondere Weise betrachtet die Gesellschaft die vom Krieg gezeichneten Gebiete? Wie wird das Verhältnis der Gesellschaft zum Gedenken durch die Werte verändert, die heute der Landschaft gegeben werden?

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Kampflinie WW II © Rafaela Rothwangl

Bildstock im Herbst © Siegella

Kleindenkmäler

Flur- und Kleindenkmäler sind  ortsfeste, selbstständige, kleine Bauwerke, die Menschen als Zeichen des Andenkens, der Dankbarkeit oder der Freude meist auf eigne Kosten und Initiative errichtet haben. 

Sie können der Gedenkkultur  dienen, oft mit sakralem Charakter, oder erfüllen praktische Zwecke. Wegkreuze, Marterln und Bildstöcke sind ein Teil unserer Landschaft, ein Teil unserer Kultur und Identität. Sie sind faszinierend vielfältig in ihrer Ausführung, können in einem Motiv regionale Nuancen aufweisen und sind kunsthistorische Zeugnisse ihrer Zeit. 

Ihre Bandbreite reicht vom gotischen Tabernakelpfeiler über hochbarocke Figurengruppen bis zu Bildbäumen. Sie haben ihre Wurzeln in der Region, im Glauben und in den Schicksalen der Bevölkerung.

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Bäume der Erinnerung / Einzelbäume

Menschen empfinden eine tiefe emotionale Verbundenheit mit Bäumen. Deshalb spielen diese in allen Kulturen eine wichtige mythologische und symbolische Rolle. Es ist daher nicht verwunderlich, dass markante und symbolträchtige Bäume die Kulturlandschaft schmücken und die ländliche Bevölkerung seit Jahrhunderten begleiten. Gerade in Mitteleuropa ist die Linde ein Baum von großem kulturellem Wert, dessen Präsenz unzählige Flurnamen hervorgebracht hat. Sie hat zudem eine wichtige spirituelle Bedeutung, da sie in der Vergangenheit der Göttin Freya und nach der Christianisierung Maria geweiht war. In der Nähe einer Linde fühlen wir uns einfach sehr wohl. Ein weiteres Beispiel ist eine alte starke Eiche auf einem Steinriegel, der als Grenze zwischen zwei Grundstücken dient. Auch sie spiegelt die Freude der Menschen wider, einen imposanten Baum in ihrer Umgebung zu haben.

Neben ihrem symbolischen und kulturellen Wert wurden diese Einzelbäume traditionell auch zur Holzgewinnung genutzt. Hainbuchen, Eschen oder Haselnusssträucher, die auch auf Steinriegeln wachsen, wurden jahrhundertelang auf den Stock gesetzt, um Brennholz und Holz für verschiedene Zwecke zu gewinnen, beispielsweise zur Herstellung von Spazierstöcken oder Zäunen. Eine kleine Gruppe dieser Bäume kann eine auffällige Vegetationsinsel bildet, die den Acker, auf dem sie steht, prägt.

Wenn man jedoch mitten im Wald auf solche markanten Bäume stößt, verraten sie etwas über die historische Nutzung dieser Umgebung. 

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Linden Allee © wenzlerdesign

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Waldkultur erLERNEN © Wolfgang Jirikowski

Kurse

 

In den Kursangeboten lernen sie auf vielfältige Weise Zusammenhänge zwischen „Wald“+„Kultur“ erkennen und verstehen, entwickeln unter Anleitung von erfahrenen Fachleuten eigene Fähigkeiten und Kenntnisse oder ein umsetzbares Projekt und vernetzen sich mit Gleichgesinnten. Ein neuer Blick „auf den Wald“ entsteht. Engagierte KursabsolventInnen vermitteln ihr Wissen an den auf der digitalen Landkarte sichtbaren Orten auch gerne an Interessierte weiter.   Sie finden hier Detailinfos zum wichtigsten Weiterbildungsangebot in Österreich, dem Zertifikatslehrgang „Forst + Kultur“ und zu weiteren Kursen an zertifizierten Aus- und Weiterbildungseinrichtungen bzw. zu ganz speziellen Themenbereichen.

Altes Bauernhaus in Salzburg – heute noch in Funktion! © Elisabeth Johann

Bäuerliche Waldkultur

 

Spuren der traditionellen bäuerlichen Waldnutzung sind auch heute noch in der Landschaft erhalten und geben Zeugnis von einer nachhaltige Waldbewirtschaftung.  Viele der zur Bewirtschaftung des Hofes benötigten Werkzeuge hat die bäuerliche Bevölkerung selbst hergestellt und dabei das Holz der Bäume verwendet, die in der unmittelbaren Umgebung in großer Vielfalt heranwuchsen. Dazu gehören aber auch die Schnaitelbäume als Zeugnisse ehemaliger Futterlaubgewinnung, alte Lindenbäume im Wald, die auf eine ehemals offenere Landschaft hinweisen oder Haselbüsche entlang von heute kaum noch sichtbaren Wegen.