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Der Zerfall kollektiver Erinnerungen geht seit dem 18. Jahrhundert mit Initiativen einher, sie für die Gesellschaft wachzuhalten. Dies geschieht einerseits durch die Errichtung von manifesten Erinnerungsorten wie Denkmälern und Gedenktafeln.
Nicht-manifeste Erinnerungsorte haben andererseits kein sichtbares Erinnerungszeichen, weisen jedoch auf einen historischen Bezug zu bestimmten Ereignissen hin. Es ist die Landschaft, die einmahnt. Es sind die Erinnerungen an kriegerische Auseinandersetzungen wie der römische Limes oder das Grüne Band. Hier findet durch die Natur ein unsichtbarer Prozess der Versöhnung statt.
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Mit seinen knapp 550 Kilometern Länge ist der Limes das größte Bodendenkmal Mitteleuropas. Er zieht sich als Grenze Roms zu den Barbaren quer durch Deutschland und umfasst in Österreich die ca. 350 km lange Donau-Strecke zwischen Passau und Bratislava.
Vier Legionslager, 16 Kastelle und zahlreiche Turmanlagen überwachten über mehrere Jahrhunderte den Grenzverkehr. Darüber hinaus entstanden im unmittelbaren Hinterland zivile Siedlungen. Dieses Grenzsystem ist in Österreich besonders mit seinen spätantiken Befestigungsbauten in zahlreichen Städten an der Donau noch eindrucksvoll erhalten.
In erster Linie war der Limes nicht als undurchdringliches Bollwerk angelegt. Er sollte lediglich eine klare Grenze zwischen der zivilisierten, römischen Welt und den Gebieten außerhalb des römischen Einflussbereiches ziehen. Zudem sollten entlang des Limes der Personen- und Warenverkehr kontrolliert, Zölle erhoben und die landwirtschaftlich fruchtbaren Gebiete gesichert werden.
Er diente demnach vorwiegend zur Wahrung römischer Wirtschaftsinteressen und zur Sicherung des Wohlstandes in den besetzten Gebieten. Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Verlauf des Limes durch die neu gegründete Reichs-Limes-Kommission gründlich erforscht.
Zahlreiche Kastelle und Wachtürme wurden an seinem Verlauf rekonstruiert und in archäologischen Parks der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. 2005 wurde der Schutzwall in die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO aufgenommen.
Gründes Band: Maltsch bei Leopoldsschlag © Naturschutzbund Alexander Schneider
Das Grüne Band Europa, das entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs entsteht, ist sowohl ein Natur-, als auch Kulturgut. In Österreich zieht es sich auf fast 1.300 km von Oberösterreich, Niederösterreich, Burgenland, Steiermark bis nach Kärnten. Es sind die Gegenden entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs, die ihre weitgehend natürliche Landschaften behalten konnten und seit 1945 nicht anthropogen verändert wurden.
Aus der Entstehungsgeschichte des Grünen Bandes heraus haben auch die „stummen Zeugen“ des Kalten Krieges eine hohe Relevanz. Nicht nur das Naturerbe, auch das zeitgeschichtliche Kulturerbe sind Schutz- und Entwicklungsgut von herausragender Bedeutung.
Der Eiserne Vorhang teilte 45 Jahre lang Landschaften, Städte und Dörfer, zerschnitt Verkehrswege, trennte Familien, Verwandte und Bekannte voneinander und prägte das Leben von Millionen Menschen. Im Laufe der Jahre und Jahrzehnte verloren seine Reste nichts von ihrer Bedeutung als Mahnmal, im Gegenteil, sie gewinnen an Bedeutung. Sie lehren, wie unmenschlich das Grenzregime und die Teilung Europas und der Welt in Ost und West waren, auch in seiner Wahl von Schauplätzen und Architekturen. Sie sind auch Kulturgut.
Neben vielen anderen Funktionen ist der Wald auch Gedächtnis vergangener Zeiten. In vielen Wäldern sind neben Spuren längst vergangener Epochen – wie Bewirtschaftungsweisen, Baumartenmischungen, Durchforstungsformen und Nutzungsarten – auch Spuren vergangener Kriegsereignisse zu finden. Sie zeigen sich in der Umformung der Landschaft (Wälle, Verteidigungsanlagen), die seit dem Ereignis bis heute noch sichtbar sind.
Die Landschaft nimmt einen zentralen Platz in der individuellen und kollektiven Kriegserinnerung ein. Dabei ist der Zusammenhang zwischen Landschaft und Kriegserinnerung komplex.
Denn was bleibt von der „Kriegslandschaft“ nach dem Konflikt? Auf welche besondere Weise betrachtet die Gesellschaft die vom Krieg gezeichneten Gebiete? Wie wird das Verhältnis der Gesellschaft zum Gedenken durch die Werte verändert, die heute der Landschaft gegeben werden?
In der Zeit nach den Konflikten wurden und werden auch heute noch von der Nachwelt unzählige Tafeln und Denkmälern errichtet, die an die historischen Auseinandersetzungen erinnern sollen. Kriegerdenkmäler gehören nahezu überall zum Landschaftsbild, wurden aber auch in anderen Ländern anlässlich anderer Konflikte errichtet. Während sie früher Stolz und Wehrwillen verkündeten, mahnen die Jüngere zum Frieden. Manchmal ist es auch die Landschaft selbst, die einen zentralen Platz in der individuellen und kollektiven Erinnerung einnimmt.
Flur- und Kleindenkmäler sind ortsfeste, selbstständige, kleine Bauwerke, die Menschen als Zeichen des Andenkens, der Dankbarkeit oder der Freude meist auf eigne Kosten und Initiative errichtet haben.
Sie können der Gedenkkultur dienen, oft mit sakralem Charakter, oder erfüllen praktische Zwecke. Wegkreuze, Marterln und Bildstöcke sind ein Teil unserer Landschaft, ein Teil unserer Kultur und Identität. Sie sind faszinierend vielfältig in ihrer Ausführung, können in einem Motiv regionale Nuancen aufweisen und sind kunsthistorische Zeugnisse ihrer Zeit.
Ihre Bandbreite reicht vom gotischen Tabernakelpfeiler über hochbarocke Figurengruppen bis zu Bildbäumen. Sie haben ihre Wurzeln in der Region, im Glauben und in den Schicksalen der Bevölkerung.
Mit großer Formenvielfalt erinnern sie an historische Begebenheiten, Naturkatastrophen oder Schicksalsschläge, sind Ausdruck einer tief verwurzelten Volksfrömmigkeit und stellen wertvolle lokale Zeugnisse dar. Sie sind im ganzen Land verbreitet und erzählen sowohl Landesgeschichte, als auch die Geschichte der Menschen.
Manchmal sind es Einzelschicksale, manchmal betrifft es das Schicksal einer ganzen Gemeinde oder Region. Damit reflektieren Brunnen, Säulen, Wegkreuze, Bildstöcke, Gedenksteine, kulturhistorische Zeugnisse aus Industrie, Gewerbe und Landwirtschaft Geschichte, Religion und Lebensart der meist ländlichen Bevölkerung.
Menschen empfinden eine tiefe emotionale Verbundenheit mit Bäumen. Deshalb spielen diese in allen Kulturen eine wichtige mythologische und symbolische Rolle. Es ist daher nicht verwunderlich, dass markante und symbolträchtige Bäume die Kulturlandschaft schmücken und die ländliche Bevölkerung seit Jahrhunderten begleiten. Gerade in Mitteleuropa ist die Linde ein Baum von großem kulturellem Wert, dessen Präsenz unzählige Flurnamen hervorgebracht hat. Sie hat zudem eine wichtige spirituelle Bedeutung, da sie in der Vergangenheit der Göttin Freya und nach der Christianisierung Maria geweiht war. In der Nähe einer Linde fühlen wir uns einfach sehr wohl. Ein weiteres Beispiel ist eine alte starke Eiche auf einem Steinriegel, der als Grenze zwischen zwei Grundstücken dient. Auch sie spiegelt die Freude der Menschen wider, einen imposanten Baum in ihrer Umgebung zu haben.
Neben ihrem symbolischen und kulturellen Wert wurden diese Einzelbäume traditionell auch zur Holzgewinnung genutzt. Hainbuchen, Eschen oder Haselnusssträucher, die auch auf Steinriegeln wachsen, wurden jahrhundertelang auf den Stock gesetzt, um Brennholz und Holz für verschiedene Zwecke zu gewinnen, beispielsweise zur Herstellung von Spazierstöcken oder Zäunen. Eine kleine Gruppe dieser Bäume kann eine auffällige Vegetationsinsel bildet, die den Acker, auf dem sie steht, prägt.
Wenn man jedoch mitten im Wald auf solche markanten Bäume stößt, verraten sie etwas über die historische Nutzung dieser Umgebung.
So kann man beispielsweise in den Alpen inmitten von Fichtenwäldern auf Bergahorne mit starken Stämmen stoßen, deren Verzweigung zwei bis drei Meter über dem Boden beginnt. Die Tatsache, dass alle Äste in derselben Höhe austreten, deutet darauf hin, dass diese Bäume in der Vergangenheit geschneitelt wurden. Außerdem erzählen sie auch, dass dieses Waldgebiet früher eigentlich eine Wiese war, auf der hier und da breitkronige Bergahorne wuchsen. Das aus der Schneitelung gewonnene Laub diente als Futter für die Tiere. Zudem lieferten die dickeren Äste u.a. Brennholz. Diese Bäume bezeugen eine Zeit, in der Wiesen mit geschneitelten Ulmen, Ahornen und Linden weit verbreitet waren, bis sich der Wald ausbreitete. Die Tradition, Bäume auf den Stock zu setzen, gilt sowohl für Einzelbäume (wie bereits erwähnt) als auch für ganze Bestände. In diesem Fall sprießen mehrere Triebe aus einem einzigen Baumstumpf (dem “Stock”). Wieder einmal in den Alpen inmitten von Fichtenwäldern kann man auf Buchen stoßen, die in der Vergangenheit auf diese Weise behandelt wurden. Auch in den Niederungen findet man solche Bäume oder kleine Waldstücke. Und in Ostösterreich gibt es ganze Niederwälder, allerdings immer weniger. Diese traditionelle Art der Wald- und Baumnutzung hat wertvolles Brennholz sowie Holz für die Herstellung von Holzkohle, Bauholz, Werkzeuggriffe und Zaunmaterial geliefert. Der Niederwald und die Schneitelung sind jahrtausendealte Nutzungsformen. In beiden Fällen erreichen die Bäume beträchtliche Ausmaße (starke Stämme und breite Stöcke) und ein sehr hohes Alter von mehreren Jahrhunderten. Zudem weisen die dicken, knorrige Stämme und Stöcke zahlreiche Hohlräume und abgestorbene Stellen auf, was der Tierwelt unzählige Verstecke bietet.
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Waldkultur erLERNEN © Wolfgang Jirikowski
In den Kursangeboten lernen sie auf vielfältige Weise Zusammenhänge zwischen „Wald“+„Kultur“ erkennen und verstehen, entwickeln unter Anleitung von erfahrenen Fachleuten eigene Fähigkeiten und Kenntnisse oder ein umsetzbares Projekt und vernetzen sich mit Gleichgesinnten. Ein neuer Blick „auf den Wald“ entsteht. Engagierte KursabsolventInnen vermitteln ihr Wissen an den auf der digitalen Landkarte sichtbaren Orten auch gerne an Interessierte weiter. Sie finden hier Detailinfos zum wichtigsten Weiterbildungsangebot in Österreich, dem Zertifikatslehrgang „Forst + Kultur“ und zu weiteren Kursen an zertifizierten Aus- und Weiterbildungseinrichtungen bzw. zu ganz speziellen Themenbereichen.
Altes Bauernhaus in Salzburg – heute noch in Funktion! © Elisabeth Johann
Spuren der traditionellen bäuerlichen Waldnutzung sind auch heute noch in der Landschaft erhalten und geben Zeugnis von einer nachhaltige Waldbewirtschaftung. Viele der zur Bewirtschaftung des Hofes benötigten Werkzeuge hat die bäuerliche Bevölkerung selbst hergestellt und dabei das Holz der Bäume verwendet, die in der unmittelbaren Umgebung in großer Vielfalt heranwuchsen. Dazu gehören aber auch die Schnaitelbäume als Zeugnisse ehemaliger Futterlaubgewinnung, alte Lindenbäume im Wald, die auf eine ehemals offenere Landschaft hinweisen oder Haselbüsche entlang von heute kaum noch sichtbaren Wegen.