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Wälder haben eine hohe Bedeutung für den sachgerechten Erhalt archäologischer Denkmale. Rund 80 % (!) aller ober Tage sichtbaren archäologischen Denkmale (v.a. Grabhügelfelder, Befestigungs-anlagen, Felsbilder, Reste von Feldfluren, Altwege und –strassen, Bergbau, etc.) liegen im Wald. Sie sind ein wesentlicher Teil unseres Kulturerbes und bedeutende Quellen zur Entstehung und Entwicklung unserer heutigen Gesellschaft und der umgebenden Kulturlandschaft.
Auf Basis der relevanten gesetzlichen Bestimmungen bildet vor allem eine konstruktive Zusammenarbeit der Waldbewirtschafter mit zuständigen FachexpertInnen aus Archäologie und Denkmalpflege eine zentrale Voraussetzung für Erhalt, Wissensgewinn oder -vermittlung.
Sie finden hier Fachinformationen (insbesondere aus dem „Zertifikatslehrgang
Forst + Kultur“ – in dem diese anspruchsvolle und sensible Thematik ausführlich behandelt wird)
sowie gelungene Praxisbeispiele zu diesem spannenden Themenfeld
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Die Sitte, die Verstorbenen unter einem Hügel zu bestatten, war in mehreren ur- und frühgeschichtlichen Perioden verbreitet, so etwa in der mittelbronzezeitlichen Hügelgräberkultur, der eisenzeitlichen Hallstattkultur, der älteren Römischen Kaiserzeit und dem Frühmittelalter. Ihre Lage in unseren Wäldern schützte selbst große Hügelgräberfelder zwar vor der Einebnung, Grabräuber/Raubgräber konnten jedoch viel zu oft ungestört diese Grabstätten plündern.
In der älteren Eisenzeit, der Zeit der Hallstattkultur (800/750 v. Chr. – 500/450 v. Chr.), benannt nach dem berühmten Gräberfeld in Hallstatt, Oberösterreich, entstanden neben Siedlungen im Flachland Zentralorte auf Anhöhen. In ihrer näheren Umgebung wurden Hügelgräberfelder oder auch einzelne sehr große Hügelgräber angelegt. Neben sehr kleinen und flachen, kaum wahrnehmbaren runden Hügeln von nur 2 bis 3 m Durchmesser und einer Höhe von 0,50 bis 1 m gibt es große Hügel mit bis zu 50 m Durchmesser und einer Höhe von bis zu 10 m.
Körper- oder Brandbestattungen waren je nach Region üblich. Die Toten wurden mit Speise- und Trankbeigaben, ja mit umfangreichen Trinkservicen, für die Reise ins Jenseits ausgestattet. Schmuckstücke und Bestandteile ihrer Tracht, Waffen und Geräte u.a.m. erzählen uns über ihren sozialen Status und ihre Lebensform. Sehr häufig hingegen sind im Osten und Südosten Österreichs sogenannte norisch-pannonische Hügelgräber aus der Römerzeit verbreitet, in denen Brandbestattungen üblich waren. In weitaus geringerer Zahl sind Hügelgräber aus der Mittleren Bronzezeit oder der Latènezeit bekannt.
Umso bemerkenswerter sind die beiden Gräberfelder Franzhausen I und II im Traisental, Niederösterreich, die aus dem Beginn der frühen Bronzezeit um 2.300/2.200 v. Chr. stammen. Sie wurden über 700 Jahre bis an den Beginn der mittleren Bronzezeit belegt. Die für diese Zeit größten Bestattungsplätze Mitteleuropas wurden bei Nussdorf in Franzhausen ergraben. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchten 2.300 Gräber, stellten kostbare Grabbeigaben sicher und gewannen so wertvolle Erkenntnisse über das Leben der Menschen. Die interessantesten Funde werden nahe dem ehemaligen Ausgrabungsgelände im Urzeitmuseum Nussdorf-Traisental eindrucksvoll präsentiert.
Im Weinviertel steht der höchste Grabhügel der gesamten Hallstattkultur (750 bis 450 vor Christus Geburt), der 14 Meter hohe Tumulus von Großmugl. Der Grabhügel sticht so deutlich aus der ihm umgebenen Ebene hervor, dass sogar die Gemeinde nach ihm benannt wurde (erste urkundliche Erwähnung 1298 als Grassemugl – großer Mugl). Das Hügelgrab wurde erstmals 1871 wissenschaftlich erfasst, ist aber bis heute nicht ausgegraben.
Prähistorische Wallanlage bei Hausenbach, Einschnitt im Wald durch neu errichteten Forstweg © Bundesdenkmalamt
Die Wurzeln der Kulturlandschaft reichen tief in die Vergangenheit zurück. Bereits im 6. Jahrtausend v. Chr. begannen sich in Ostösterreich Bauern anzusiedeln und ihre Siedlungen durch Befestigungsanlagen zu sichern. Dazu zählen die monumentalen Ringwälle der Urzeit in Höhenlage, Abschnittsbefestigungen sowie durch Wälle und Gräben gesicherte Siedlungsplätze.
Die ältesten Befestigungsanlagen kennen wir aus dem 5. Jahrtausend v. Chr. Es waren umlaufende Wall- und Grabensysteme, die in Gefahrenzeiten als gut geschützte Zufluchtsorte dienten. Sie befinden sich auf Anhöhen und sind heute meist dicht bewaldet. Über ihre Innenbebauung wissen wir allerdings nur wenig, da die Reste der Häuser und Wirtschaftsbauten heute an der Erdoberfläche nur noch selten erkennbar sind.
Als Befestigung und Schutz dienten auch heute abgekommene mittelalterliche Burgen (Burgställe) kleiner Adelsgeschlechter, die wesentliche Quellen zur Orts-, Besiedlungs- und Herrschaftsgeschichte darstellen. Es sind dies kleine Turmburgen, bei denen das Feste Haus auf einer felsigen Kuppe oder auf einem künstlich errichteten Hügel (Hausberg) errichtet wurde.
Ferner sind in den Wäldern aus Wällen, Gräben und Hecken bestehende Landwehren aus dem späten Mittelalter und der Neuzeit, neuzeitliche Schanzen, etwa aus dem Dreißigjährigen Krieg und eindrucksvolle große Sternschanzen aus den Schwedenkriegen, anzutreffen, aber auch Schützengräben und Geschützstellungen aus den beiden Weltkriegen.
Für den regionalen wie überregionalen Gütertransport, die rasche Verlegung von Truppen und die Verbindung nach und zwischen den Regionen war ein gutausgebautes Straßensystem bereits in prähistorischer, besonders aber in römischer Zeit von großer Wichtigkeit.
Das gilt sowohl für die Fernstraßen als auch die lokalen Transportwege. Manche dieser Fernstraßen sind auch heute noch im Gelände stellenweise erkennbar. Seit dem Mittelalter entstanden neben den Hauptverkehrswegen in den Waldgebieten zahlreiche lokal genutzte Transportwege.
Wege, die einmal entstanden, wurden immer wieder genutzt und veränderten mit der Zeit ihre Erscheinungsform. Aus Pfaden wurden Wege, aus Wegen wurden befestigte Straßen. Tief eingeschnittene Hohlwege, oft als Hohlwegbündel von mehr als zwei parallel geführten Trassen erhalten, sind eine charakteristische Erscheinungsform von Altwegen bzw. Altstraßen.
Meist blieben sie unbefestigt, wenn der Untergrund fest genug war. Gab es einen felsigen Untergrund, so, entstanden Spurrillen im Fels, die besonders in abschüssigem Gelände sehr tief werden konnten. War der Untergrund feucht, verwendete man Baumstämme, meist eher dünne Stangen, die man quer zur Trasse verlegte.
Diese Bauweise der sogenannten Prügel- oder Knüppelwege wurde seit der Jungsteinzeit, in Europa angewandt. Eine andere Wegform ist der Hangweg, ein parallel zum Hang künstlich angelegter Weg, für dessen Anlage der Hang abgegraben und talseitig oft eine Stützmauer gebaut wurde.
Dammartige Altstraße zwischen Vöcklabruck-Attnang Puchheim OÖ, vermutlich römische Straße von Salzburg nach Wels © Bundesdenkmalamt
Pingenfeld mit Pingengruben und gangartigen Gräbern bei Miedlingsdorf, Bezirk Oberwarth, Burgenland © Bundesdenkmalamt
Die Gewinnung von Bodenschätzen, vor allem Eisen- und Kupfererz, aber auch Gold und Silber, hat Geländespuren hinterlassen, deren Erfassung/Datierung schwierig ist. Es sind meist auf weiten Flächen liegende Abbaugruben, Mulden oder trichterförmige Vertiefungen mit 3 bis 8 Meter Durchmesser, sog. Pingen.
Neben den Pingen liegen die Abraumhalden. Das geförderte Erz wurde oft in größerer Entfernung von den Bergwerken aufbereitet und weiterverarbeitet (gewaschen, geröstet, verhüttet).
Bei Eisen- und Kupfererz erfolgte dies in kleinen Schmelzöfen (Rennöfen) und später in an Bächen liegenden Eisen- und Kupferhütten. An allen Verhüttungsstellen zeigen sich Schlackenhalden. Von den Schmelzöfen sind ober-flächig manchmal gebrannte Lehmbrocken der Ofenwandung zu finden.
Wider die populäre statische Wahrnehmung hat sich die Landschaft in den letzten hundert Jahren stark verändert. Mit der industriellen Revolution verlor die Funktion des Waldes als Energielieferant an Gewicht. Der Druck auf die Waldökosysteme ging daher zurück. Weiters hat sich die industrielle Landwirtschaft auf die besten Böden konzentriert, was mehr Raum für den Wald geschaffen hat. Ein beträchtlicher Anteil des heutigen Waldes befindet sich auf ehemaligen Wiesen und Äckern.
siehe: Broschüre Kostbarkeiten im Wald
Beinahe 50 % der heutigen Staatsfläche sind bewaldet. Im 19. Jh. betrug dieser Anteil laut Friedrich Kral lediglich 30 %. Seither hat sich der Wald auf natürliche und künstliche Weise wieder ausgebreitet. Dabei sind charakteristische Elemente der offenen Kulturlandschaft zu Komponenten der Waldökosysteme geworden. Solche Zeugnisse ehemaliger agrarischer Nutzung sind z. B. Steinmauern.
Als Holz immer knapper wurde, ersetzten sie auf behördliche Anordnung hin die Holzzäune, die bisher Felder und Wiesen eingefriedet hatten. Diese Feldbegrenzungen liegen heute oft mitten im Wald. Weitere Spuren bäuerlicher Aktivität, die wir im Wald entdecken können, sind Lesesteine. Sie stammen von ehemaligen Feldern, von denen sie eingesammelt und an den Feldrain geworfen wurden. Im Laufe der Jahrhunderte entstanden dadurch große Steinhaufen.
Einmal fand ein Bauer aus dem Mühlviertel in einem von ihnen sogar neolithische Steinbeile. Steinhaufen
und -mauern im Wald erzählen vom ehemaligen, heute wieder bewaldeten Offenland und von einer Änderung
in der Landnutzung. Als Zeugnisse der Geschichte verdienen sie es daher, beachtet bzw. bewahrt zu werden.
Seit mindestens 40 000 Jahren haben Menschen weltweit Steinplatten, Felsformationen und Höhlen benutzt, um ihre “Botschaften” zu hinterlassen. Bevor der Mensch an verschiedenen Orten des Planeten die Schrift erfunden hat, war die bildende Kunst seine hauptsächliche Methode, um etwas im Gedächtnis zu behalten, um Kenntnisse und Botschaften zu übermitteln, und bis heute ist sie für die schriftlosen Völker das wichtigste Mittel zur Aufzeichnung ihrer Geschichte geblieben.
Felsbild ist der Oberbegriff für alle auf festem, das heißt „gewachsenem“ Fels von Menschen dargestellten Abbildungen oder Zeichen. Felsbilder können bis in die prähistorische Zeit zurückreichen oder auch zeitnah erstellt sein. Sie sind eine lebende Fundgattung, die sich vor Ort ständig ändert, weil etwas durch Erosion verschwindet, anderes hinzugefügt oder zerstört wird.
Felsbildplätze können bis zu 400 einzelnen Felsbildern bestehen. Sie befinden sie sich in den Ostalpen als in den Stein geritzte oder geklopfte Grafiken. In Österreich gibt es rund 20 Fundgebiete prähistorischer Felsbilder, die vorwiegend in Niederösterreich, in den Nördlichen Kalkalpen, im Salzburger Seenland, entlang der Traun in Oberösterreich, der Steiermark und nahe der Stadt Salzburg liegen.
Nicht wenige Felsritzbilder könnten aus vorgeschichtlicher Zeit stammen, besonders aus den Jahrtausenden der Pfahlbaukulturen an den Salzburger und Salzkammergutseen, z. B. dem Wolfgangsee, wo die Menschen offenbar einen religiösen Rückzugsraum besuchten und Spuren ihrer religiösen Vorstellungen hinterließen. Die schwierige Zugänglichkeit und Lage der Bilder hängen mit kultischen Vorstellungen und Praktiken zusammen.
Besuchbare Plätze
Beispiele aus den einzelnen Bundesländern
Tirol
Niederösterreich
Salzburg
Kärnten
Weiterführende Literatur
Burgstaller, E., 1981. Felsbilder in Österreich. 2. Aufl., Spital/P.
Burgstaller, E. und Ludwig Lauth, L., 1965. Felsgravierungen in den österreichischen Alpenländern. In: Jahrbuch des Oberösterreichischen Musealvereines. Jahrgang 110, Linz 1965, S. 325–378.
Günter Graf, G., 1967. Neue Ritzzeichnungen im östlichen Dachsteingebiet. In: Mitt. der Sektion Ausseerland, 5. Jg., Altaussee 1967, Heft 3, S. 34–36.
Kauer, W., 2017. Felsbilder der Ostalpen. Das Erbe der Mondfrau. Verlag Anton Pustet, Salzburg.
Kauer, W., 2019. Felsbilder der Alpen. Motive im internationalen Vergleich. Verlag Anton Pustet, Salzburg.
text coming soon… siehe: Broschüre Kostbarkeiten im Wald
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Waldkultur erLERNEN © Wolfgang Jirikowski
In den Kursangeboten lernen sie auf vielfältige Weise Zusammenhänge zwischen „Wald“+„Kultur“ erkennen und verstehen, entwickeln unter Anleitung von erfahrenen Fachleuten eigene Fähigkeiten und Kenntnisse oder ein umsetzbares Projekt und vernetzen sich mit Gleichgesinnten. Ein neuer Blick „auf den Wald“ entsteht. Engagierte KursabsolventInnen vermitteln ihr Wissen an den auf der digitalen Landkarte sichtbaren Orten auch gerne an Interessierte weiter. Sie finden hier Detailinfos zum wichtigsten Weiterbildungsangebot in Österreich, dem Zertifikatslehrgang „Forst + Kultur“ und zu weiteren Kursen an zertifizierten Aus- und Weiterbildungseinrichtungen bzw. zu ganz speziellen Themenbereichen.
Altes Bauernhaus in Salzburg – heute noch in Funktion! © Elisabeth Johann
Spuren der traditionellen bäuerlichen Waldnutzung sind auch heute noch in der Landschaft erhalten und geben Zeugnis von einer nachhaltige Waldbewirtschaftung. Viele der zur Bewirtschaftung des Hofes benötigten Werkzeuge hat die bäuerliche Bevölkerung selbst hergestellt und dabei das Holz der Bäume verwendet, die in der unmittelbaren Umgebung in großer Vielfalt heranwuchsen. Dazu gehören aber auch die Schnaitelbäume als Zeugnisse ehemaliger Futterlaubgewinnung, alte Lindenbäume im Wald, die auf eine ehemals offenere Landschaft hinweisen oder Haselbüsche entlang von heute kaum noch sichtbaren Wegen.